Schneeflöckchen Weißröckchen

Schneeflöckchen Weißröckchen

Wieso hab ich nochmal 5 kurze Hosen dabei? Und Sandalen? Und FlipFlops?!?
Damit auch ja nicht zu viel Platz in meinem Rucksack ist und ich auf die Idee komme, hier irgendwas einzukaufen?
Eigentlich wollte ich nicht immer über das Wetter schreiben aber im Ernst, so einen extremen Temperatursturz hab ich noch nie erlebt! Ich meine, am Wochenende war der Rauch noch so dicht, dass es roch, als würde an jeder Ecke eine Grillparty veranstaltet werden und am Montag haben wir uns noch auf irgendwelchen abenteuerlichen Wanderwegen halb tot geschwitzt.
Aber dann ging alles ganz schnell: am Dienstag kam endlich der erste richtige Regen seit über zwei Monaten und am Mittwoch Morgen waren wirklich alle umliegenden Bergspitzen weiß. Heute kam das Ganze schließlich auch bei uns im Tal an und obwohl ich mich sonst immer über Schnee freue, hat mir der Herbst hier doch irgendwie gefehlt. Vielleicht bin ich ja doch eine Frostbeule.
Allerdings haben wir festgestellt, dass man Aufgaben wie Füttern und Bänkeputzen deutlich effektiver erledigt, wenn man schlotternd in der Kälte steht, so gesehen hat das Ganze auch was Gutes – zumindest für unsere „Arbeitgeber“. Und die verschneiten Berge haben schon auch was, das muss man ihnen wirklich lassen!

 

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50 Shades of Rocky Mountains

50 Shades of Rocky Mountains

Das ist er. Der Platz, der meine Nachmittage zur entspanntesten Zeit des Tages und sogar die ein, zwei Stunden Biochemielernen zu einem Erlebnis macht, auf das ich mich immer wieder freue. Ich hatte schon fast vergessen wie gut es tut, einfach am Wasser zu sitzen und Löcher in die Luft zu starren. Und der Ausblick auf die Berge ist wirklich wunderbar! Und jedes Mal anders – an manchen Tagen erkennt man z.B. sämtliche Details im Gestein und manchmal ist der Rauch der Waldbrände so dicht dass man die Rockies eher erahnen als sehen kann.
Egal wie, sich den Waldpfad am Fluss entlang höchstens mit ein paar Rehen zu teilen, ist ein absoluter Luxus und ich bin mehr als froh, dass ich den Großteil meiner Ferien hier verbringen kann. Und es sind wirklich Ferien, denn obwohl ich nicht weiß, ob ich den Geruch nach Pferd und Hund jemals wieder aus meinen Haaren bekomme, überarbeiten tut man sich auf dieser Ranch absolut nicht!
Unser Tag beginnt immer um 8 Uhr mit Pferdefüttern und nach einer ca. eineinhalb-stündigen Pause heißt es dann meistens „Meet you at the donut at 10“. Der Donut ist eine Art Festzelt mit einer runden Öffnung in der Mitte, das man für Hochzeiten und Barbecues mieten kann. Von da aus machen wir dann alles, was gerade anfällt – also Janets (das ist die Besitzerin) heilige Blumen gießen und im Normalfall irgendwas streichen (mein Langzeitprojekt ist ein eeeewig langer Zaun, der das ganze Grundstück eingrenzt). Gegen 13 Uhr werden wir dann in unsere Mittagspause geschickt und wenn wir nachmittags nicht Rile oder Teeah „hundesitten“ müssen, haben wir im Normalfall frei. Abends geht’s vor dem Füttern meistens noch reiten, aber das ist auch nichts Verpflichtendes.
Das Einzige, das wohl anstrengender ist, sind die Hochzeiten. Davon haben wir diesen Monat sogar gleich sechs Stück und anfangen tut das Ganze morgen – ich bin aber ziemlich gespannt, wie das hier abläuft und freu mich schon! 🙂

 

 

Das Texas von Kanada

Das Texas von Kanada

Staub wirbelt auf, das Lasso saust durch die Luft und wickelt sich um die Beine des Kalbs. Staunend schauen wir zu, wie zwei Reiter vom Pferd springen und das Tier festbinden und mit Kreide „brandmarken“. Dann schwenkt der Richter eine Flagge, die Runde ist vorbei und das nächste Quartett jagt der nächsten Kuh hinterher. Wie im echten Ranchleben. Ich lasse meinen Blick zum x-ten Mal über die Leute um uns herum schweifen und nehme mir vor, Filme mit Cowboys in traditioneller Kluft nie wieder als übertrieben oder unrealistisch abzustempeln. Ein kanadischer Freund von mir hatte mir schon gesagt, dass die Provinz Alberta praktisch das Texas von Kanada ist, aber auf das, was mich hier erwartete, war ich definitiv nicht vorbereitet.

Alles begann damit, dass ich vor einer Woche ein bisschen verloren am Busbahnhof in Banff stand und nach einem weißen Truck mit silbernem Anhänger Ausschau hielt – mehr stand in der kurzen Email nicht, die mir die Managerin der Ranch, auf der ich die nächsten Wochen arbeiten sollte, geschickt hatte. Das Ungetüm an Auto, das schließlich vor mir hielt, war bestimmt 8 Meter lang und heraus sprang ein Mann, der mich ein bisschen an meinen Onkel erinnerte, nur dass er allen Ernstes einen Cowboyhut und dazu passenden Stiefel trug!
So lernte ich also Kevin, den Vater der Familie, der der Betrieb gehört, kennen, der gerade 8 Pferde von einer Tour nach Hause brachte. An einer Tankstelle gabelten wir dann noch Mike, einen weiteren Mitarbeiter auf und ich hoffe bis heute, dass ich ihn in dem Moment nicht zu offensichtlich angestarrt habe. Zu meiner Verteidigung, ich hab bis zu dem Zeitpunkt tatsächlich geglaubt, dass es sowas wie richtige Cowboys höchstens noch in Geschichten gibt, aber der Mann mit Hut, Drei-Tage-Bart, Halstuch, Jeans und klackernden Sporen an den Lederstiefeln hat mich eines besseren belehrt.
Im Laufe der nächsten zwei Tage lernte ich den Rest der Familie kennen und nach circa vier Tagen war ich soweit, dass ich mich nicht mehr darauf konzentrieren musste, nicht alles und jeden ungläubig zu mustern.
Diese Fähigkeit wurde heute allerdings wieder ziemlich auf die Probe gestellt als wir zu einem Rodeo mitdurften. (Wir bezieht sich übrigens auf die zwei anderen Freiwilligen, die hier auch mithelfen) Das entspricht so ziemlich einem Reit-Turnier, nur im Western-Style, sprich Kühe fangen, auf buckelnden Pferden und Stieren reiten und so weiter 😉 Da sind sogar dreijährige Kinder mit Hemd und Stiefeln rumgelaufen und zum Teil auch mitgeritten!!
Es gibt sie also wirklich, die Cowboys, und ich muss sagen, bisher gefällt mir das Ganze wirklich gut 🙂

 

Hundehaar & Wanderlust

Hundehaar & Wanderlust

Es ist schon nicht mehr ganz aktuell aber die Tage in Golden wollte ich hier noch kurz loswerden.
Also, es begann damit, dass ich total frustriert in meinem Hostel ankam weil der Besuch im Visitor Center davor eigentlich nur ergeben hatte, dass man ein Auto braucht um irgendwas zu machen (das sog. „Zentrum“ der 4200 Personen-Gemeinde kann man in einer Minute ablaufen). Und das obwohl Golden als Aktivurlaubsort schlechthin mit optimaler Lage zwischen zwei Nationalparks gilt! Gut, das mit den Distanzen hätte man sich davor evtl. mal anschauen können aber trotzdem… Von der öffentlichen Verkehrsmittel-Situation war ich auf jeden Fall ziemlich genervt 😛
Naja, am Ende bin ich dann 2 Nächte länger geblieben als geplant und hatte mit die beste Zeit bisher. Lag natürlich an den Menschen – wie immer 🙂 In dem Fall hat sich das so ergeben, dass wir um 9 Uhr die einzigen waren, die noch in dem riesigen Wohnzimmer im Hostel saßen und uns dann spontan zusammengeschlossen haben. Und mit Yannis aus Griechenland, Chloé aus Frankreich und ihrem Mietwagen hatte ich dann nicht nur den besten Nationalpark-Shuttle, sondern auch noch die coolsten Wanderpartner, die mir hätten begegnen können und vor allem die Seen im Yoho National Park sind einfach noch tausend mal schöner wenn man sie nicht alleine sieht.

Und dann gab es da noch Boo und Dooley, die zwei Hostelhunde, auf denen ich abends regelmäßig eingeschlafen bin (an der Stelle Grüße an meine Schwester 😉 ) und die das Ganze irgendwie zu was Besonderem gemacht haben. Alles in allem also mal wieder ein absoluter Glücksgriff und spätestens wenn man im Bus einen Anflug von Traurigkeit verspürt weiß man, dass alles richtig gelaufen ist!

Das nur nebenbei, beim nächsten Mal gibt’s dann bisschen was über die Ranch, auf der ich mittlerweile gelandet bin – Liebe Grüße und bis bald! 🙂

Da waren’s nur noch 3

Nummer 4 macht sich jetzt offiziell auf den Weg in Richtung DER zwei großen Nationalparks in British Columbia – Banff und Jasper.
Zugegeben, ein bisschen traurig war es schon, dem Wohnmobil hinterher zu winken und zu wissen, dass die superschöne Zeit in diesem wundervollen Land mit den drei Menschen, die einen zum Teil besser kennen als man selbst, jetzt vorbei ist. Auch wenn ich das schon zweimal für länger gemacht hab, irgendwie war es dieses Mal anders. Liegt vielleicht daran, dass man hier ohne Auto viel eher aufgeschmissen ist und einfach alles einschüchternd größer ist.
Aber wie mein Vater so schön meinte, ist jedes Ende ja auch ein neuer Anfang und mir blieb zum Trübsal blasen zum Glück auch gar nicht so viel Zeit. Als ich am späten Nachmittag in mein Hostel kam, waren da gerade alle in Aufbruchstimmung und haben mich kurzerhand mit zum Baseballspielen geschleift. Ein sehr cooles Spiel – vor allem wenn man das mit den Regeln nicht zu eng sieht. 😉

Jetzt bin ich gerade im Bus auf dem Weg nach Golden und hoffe, dass es nach diesem genialen Auftakt ähnlich cool weitergeht 🙂

 

Feuer und Flamme

Feuer und Flamme

So, hier mal wieder ein Update – dieses Mal aus dem „wilden Westen“.
Nach einem viel zu kurzen Tag in Vancouver und einigen Adrenalinmomenten in Whistler (die man in Bildern aber glaube ich am besten beschreiben kann 😉 ) sind wir mittlerweile nämlich in einer Gegend angekommen, die mit der üppigen grünen Landschaft in Küstennähe nur noch wenig zu tun hat.


Gestern haben wir noch zwischen den typischen hohen Bäumen an einem Fluss übernachtet aber nachdem wir gegen Mittag aufgebrochen waren, dauerte es nicht mal eine Stunde und die Gegend wechselte einfach die Farbe. Jetzt ist alles gelb und trocken und schaut eigentlich so aus, wie ich mir Texas vorstelle.
Am krassesten sind aber die Bäume. Wir haben schon in Seattle gehört, dass Kanada zur Zeit mit Waldbränden zu kämpfen hat und mittlerweile sind wir offensichtlich in der Zone angekommen, in der die besonders schlimm waren. Hier sind zum Teil ganze Hänge abgebrannt und an manchen Stellen qualmt und glimmt es noch. Irgendwie erschreckend, aber auch faszinierend – zumindest für jemanden, der sowas bisher nur aus dem Fernsehen kennt.
Witzigerweise sind dazwischen immer wieder kleine grüne Oasen, die künstlich bewässert werden und neben verkohlten Zäunen aber irgendwie fehl am Platz wirken…
Noch so ein wow – Erlebnis, dieses Mal allerdings aus einer etwas anderen Perspektive. Aber gut, die Seite der Natur gehört genauso dazu wie die klare Aussicht, die man auf die Rocky Mountains wohl sonst bekommt.

Mittlerweile hat übrigens auch der Countdown für unseren gemeinsamen Urlaub begonnen – in 2 Tagen werden wir uns in Kelowna trennen. Meine Eltern fahren mit meiner Schwester zurück nach Vancouver und für mich geht’s noch einen Monat weiter Richtung Osten, wo ich – wenn alles nach Plan läuft – auf einer Farm arbeiten werde. Steht alles noch ein bisschen in den Sternen, aber wenn es nur halb so gut läuft wie bisher, dürfte das schon irgendwie werden. Bis dahin, viele Grüße und bis bald! 🙂

Insel der Abenteuer

Insel der Abenteuer

Wow. Einfach nur wow. Anders lässt sich Vancouver Island nicht beschreiben.
Hinter diesem doch ziemkich unkreativen Namen steckt eine Vielfalt, die noch tausend mal schöner ist als die Bilder in der Kanada-Hochglanzzeitschrift, die mir eine Freundin vor ein paar Monaten gegeben hat.
Schneebedeckte Berge, Flüsse mit glasklarem Wasser, verschlungene Pfade durch dichte Regenwälder und mittendrin ein Fischerdorf – was will man mehr?

Eigentlich dachte ich ja schon in Victoria, der Hauptstadt von British Columbia, dass ich meinen Lieblingsort auf dieser Reise gefunden hätte. Da gab es gefühlt an jeder Ecke eine neue Überraschung, von einem kopfüber an einer Mauer hängenden Straßenkünstler über Rehe auf dem Unicampus bis hin zu einem Klavier direkt an der Küste (das wie uns erklärt wurde anlässlich des 150-jährigen Jubiläums von Kanada aufgestellt wurde).

Aber dann kam die Fahrt nach Tofino, die Bäume wurden immer höher, die Aussicht auf die glitzernden Riesenseen immer schöner und ich hab meine Meinung geändert.
Diese Kombination aus Bergen und Meer ist wirklich einmalig und obwohl die Gegend hier eigentlich ein Wallfahrtsort für Touristen ist, ist man oft auch ganz allein im Wald oder am Strand. Liegt wahrscheinlich daran, dass es Natur pur hier einfach im Überfluss gibt 🙂

Auch wenn man selber natürlich immer gaaanz anders ist als all die anderen nervigen Stereotyp-Touristen, haben auch wir am Ende an einer „Bear Watching Tour“ teilgenommen – und diese Entscheidung absolut nicht bereut! So nah – und gleichzeitig so entspannt – kommt man diesen Tieren sonst wahrscheinlich nicht mehr so schnell, es sei denn man plant demnächst einen Abstecher in den Zoo.

Zusammengefasst: allein hier könnte man locker einen ganzen Urlaub verbringen ohne sich zu langweilen, aber weil wir ja doch nicht jedes Jahr herkommen können, geht’s morgen dann weiter zu Teil 2, dem kanadischen Festland. Bin mal gespannt, ob das mit der Insel mithalten kann 😉