Bild des Tages

Bild des Tages

Was man nicht alles entdeckt, wenn man so durch die Stadt schlendert. Der Plaza Mayor war ja schon immer ein Ort, an dem man unvermutet Chorkonzerte hört, allen möglichen Bekannten über den Weg läuft oder einfach von verkleideten Studenten überrannt wird.
Die kleinen Details sind da schon schwerer zu entdecken, wie z.B. diese Folie, die am 20. November zum Schutz über eine der Steinfiguren gespannt wurde, die die Bögen des Hauptplatzes von Salamanca schmücken. An diesem Tag, vor genau 40 Jahren, starb nämlich Spaniens langjähriger Diktator, Francisco Franco und beendete damit eine lange Zeit der Unterdrückung und Gewaltherrschaft.

Es gibt wohl immer noch Leute, die diesem Mann hinterhertrauern, aber der Großteil der Spanier ist über dieses Ereignis eigentlich ziemlich froh. Und manche hassen ihn heute sogar so sehr, dass sie an seinem Todestag faule Tomaten, Eier und andere ungenießbare Sachen auf sein Abbild werfen. Auch eine Art, mit der Vergangenheit umzugehen. Mit Denkmalschutz lässt sich das natürlich nicht vereinbaren, deswegen konnte man die Visage Francos letzte Woche nur durch eine Plastikfolie bewundern.
Das ist ein unglaublich ernstes Thema für die Spanier, unter Anderem weil die Aufarbeitung der ganzen Staatsverbrechen von damals unglaublich schlecht läuft und diese ganze Zeit ein riesengroßes Tabuthema ist, viel mehr als die NS-Zeit in Deutschland, mit der man sich ja eigentlich ständig auseinandersetzt (im Ausland übrigens besonders).
Ich fand die Vorstellung von Menschen, die ihren Gefühlen in Form von faulenden Wurfgeschossen Luft machen, trotzdem irgendwie amüsant – und ohne diese Schutzvorrichtung hätte ich wahrscheinlich nie gemerkt, dass ich eines der vielen Steingesichter an den Wänden meines Lieblingsplatzes sogar kenne.

DSCF4939

Advertisements

Eres de Francia?

Eres de Francia?

Du merkst, dass du sprachlich überfordert bist, wenn dich jemand auf Französisch fragt, ob du Französisch sprichst und du (mit der Absicht, genau das zu beweisen) völlig überzeugt „Si!“ antwortest.

Du merkst, dass du sprachlich wirklich EXTREM überfordert bist, wenn du dich im Restaurant unbedingt mit den Französinnen am Nachbartisch unterhalten willst, und dabei keinen einzigen französischen Satz zustande bringst, ohne mindestens 3 spanische Wörter zu verwenden.

Tjaja, so schnell gehen 7 Jahre harte Arbeit dahin – und dabei war ich auf meine Kenntnisse in der Sprache unseres Nachbarlandes sogar mal ziemlich stolz! Aber das Einzige, was jetzt noch daran erinnert, dass ich Französisch mal fließend beherrscht habe, ist der Akzent.
Jep, mir fällt fast kein einziges Wort mehr in dieser Sprache ein aber trotzdem werde ich, wenn ich Spanisch spreche, regelmäßig gefragt, ob ich „de Francia“, also aus Frankreich bin. Liegt wahrscheinlich am „r“. Das wird hier nämlich mit Vorliebe gerollt, also irgendwo im vorderen Teil des Mundes gesprochen, während ich schon immer nur die Rachenvariante beherrscht habe. Für eine schöne französische Aussprache ist das sehr von Vorteil, im Spanischen aber leider gaaar nicht zu gebrauchen.

Immerhin, die Rolle des Franzosen spiele ich offensichtlich ziemlich überzeugend, zumindest hat der Mann in der Touristeninformation in Madrid auf meine (spanische) Frage, ob ich einen Plan mit den Metrostationen haben könnte, sofort auf Französisch geantwortet. „Bien sûr, voilá! Vous avez besoin d’un plan de la ville aussi?“ Er hat es wahrscheinlich nur gut gemeint, deswegen hab ich mir mein Lachen verkniffen, bis ich draußen war, und ihn mit einem „Merci beaucoup!“ in dem Glauben gelassen, dass er Recht hat.

Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt, im Moment schau ich eher, dass ich mit den Wörtern und vor allem mit der Grammatik hinterherkomme, die Aussprache ist da erstmal außen vor. Und solange ich verstanden werde, spiel ich die Franzosenrolle auch gerne weiter 😉

Anne in Porto

Anne in Porto

Irgendwie ist das schon ironisch. Wenn man an Spanien denkt, kommt einem doch meistens Sonne, Strand und vor allem Meer in den Sinn. Tja, vom spanischen Salamanca aus gesehen befindet sich das nächste Gewässer dieser Größenordnung nicht in Spanien, sondern in Portugal, ziemlich genau in Porto, oder Oporto wie die Spanier hier sagen.

Porto.JPG

Der Titel des Eintrages trifft in diesem Fall übrigens gleich doppelt zu – wir waren nämlich zwei Annes, die übers Wochenende in die zweitgrößte Stadt Portugals gefahren sind. Dafür haben wir sogar einen Tag Schule geschwänzt, aber das war es absolut wert! Ich war davor noch nie in Portugal und dachte immer, dass es dort nicht wirklich anders ist als in Spanien. Pustekuchen! Das fängt schon beim Essen an, z.B. gibt es dort viel mehr Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten und von dem Gebäck werd ich wahrscheinlich noch in 3 Wochen träumen. Das Allerbeste waren die sogenannten Pasteles de Nata, kurz Natas! Das sind Blätterteigtörtchen, die mit einer Art Puddingcreme gefüllt sind, als seeehr typisch in Portugal gelten und einfach unglaublich gut schmecken! Wir haben dementsprechend gleich mehrere davon gegessen…

Vielleicht bin ich von den Erfahrungen in Spanien, z.B. mit den öffentlichen Einrichtungen, einfach noch so „traumatisiert“, dass mir jede englischspreche Person wie ein kleines Wunder vorkommt, aber ich hatte wirklich das Gefühl, das Portugiesen sehr viel Wert auf Fremdsprachen legen. So war die Sorge, die Landessprache nicht im Geringsten zu beherrschen, völlig unbegründet, weil vom Bootticketverkäufer bis zur Marktstandbesitzerin jeder mindestens Englisch, wenn nicht sogar noch Französisch oder Spanisch oder Italienisch oder sogar alle drei auf einmal sprechen konnte. Ausnahme war hierbei der Busfahrer, aber der kam glaube ich aus Spanien 😉 .

Ansonsten gibt es in Porto sechs Brücken, die Schönste davon vom selben Architekten, der auch den Eiffelturm gebaut hat; viele schöne, bunte, oft mit Ziegeln verzierte Häuser; unzählige Treppen (die ganze Stadt liegt auf einem Hügel); den wahrscheinlich für den Stadtnamen verantwortlichen Portwein; die angeblich schönste Buchhandlung der Welt; haufenweise französische Touristen und natürlich den Atlantischen Ozean. Eigentlich ist ja alles, was ich hier mache, eine Art Riesenurlaub, aber dieses typische Gefühl von Ferien hat sich bei mir zum ersten Mal hier eingestellt, als wir in der Sonne am Strand lagen und den Surfern zugeschaut haben (die hab ich bei der Aufzählung vorher vergessen, aber viele kommen auch zum Surfen an diesen Ort).

Auf dem Rückweg hätten wir dann fast unseren Bus verpasst, aber mit Verzicht auf ein Abendessen in unserem bisherigen Lieblingsrestaurant und ein bisschen Rennen ging es dann doch noch und um 3 Uhr morgens mitteleuropäische Zeit (nach Portugal ist eine Stunde Zeitverschiebung) kamen wir wieder in Salamanca an.
Nachdem sich Porto als eine so schöne Stadt herausgestellt hat, will ich, bevor ich wieder nach Deutschland zurückehre, jetzt noch unbedingt mehr von Portugal sehen. Es steht also mindestens noch Lissabon auf der To-Do-Liste für den Frühling, wenn es Richtung Südspanien geht 🙂 .

 

 

Herbstferien

Herbstferien

Soo, nach einer wunderschönen Woche voller Programm mit meiner (fast vollständigen) Familie komm ich auch mal wieder zum Schreiben. (Danke, danke, danke jetzt schonmal, dass ihr mich besucht habt, ich hab mich sehr gefreut, dass ihr da ward 🙂 )

DSCF4368Nachdem hier letzten Montag mal wieder Feiertag und damit schulfrei war, haben wir die Spanienferien von meiner Schwester und meinem Vater gleich mit einem Tagesausflug nach Toledo angefangen. Das ist von Salamanca mit öffentlichen Verkehrsmitteln fast nicht machbar, deswegen hab ich die Tatsache ausgenutzt, dass die beiden ein Mietauto hatten 😀 .
Diese Stadt ist sogar bei leichtem Regen superschön, fast komplett erhalten und mit haufenweise winzigen Straßen, in denen Autos nur gerade so mit eingeklappten Seitenspiegeln durchkommen und in denen sich sogar mein Vater hoffnungslos verlaufen hat (soweit ich mich erinnern kann eine Premiere in meinem bisherigen Leben).

DSCF4440Die zweieinhalb Tage danach war dann Salamanca-Sightseeing angesagt und vom Bummelzug, in dem ich bisher nur weltreisende Senioren und Chinesen gesehen hab, über sämtliche Kirchen und Plätze bis hin zur Shoppingtour mit anschließendem Paellaessen haben die beiden jetzt wirklich alles gesehen, was man hier so sehen kann. Übrig geblieben ist nur noch der Bahnhof, von dem ich noch nicht mal genau wusste, dass es ihn gibt. Ist also vielleicht nicht soo tragisch 😉 .

Und weil das Beste bekanntlich immer zum Schluss kommt, ging es am Donnerstag als Abschluss noch nach Madrid. Ich muss zugeben, das war nach 2 Monaten Kleinstadt schon fast ein Schock, dabei würde ich nicht sagen, dass in Salamanca wenig los ist, im Gegenteil, aber DAS war dann doch nochmal eine andere Kategorie.
DSCF4648Ich hatte ursprünglich gar nicht geplant, in der Hauptstadt Spaniens wirklich viel Zeit zu verbringen, bin aber jetzt total froh, dass sich das doch noch ergeben hat, denn Madrid ist eine unglaubliche Stadt! Das fängt bei den verrückten Straßenkünstlern auf der Puerta del Sol an und geht über den Rastro, das ist ein riesengroßer Trödelmarkt,­ und den San Miguel, eine Markthalle mit hervorragendem Essen, mit ganz vielen anderen schönen Orten noch ewig weiter.

DSCF4511Und nachdem wir am ersten Tag die glorreiche Idee hatten, uns Fahrräder auszuleihen, haben wir auch unglaublich viel gesehen und erlebt. Vermeintlich Hähnchen zu bestellen und stattdessen Fisch zu bekommen ist nur ein Beispiel.
Richtig komisch war es dann, als die anderen beiden am Samstag wieder nach München geflogen sind, irgendwie kann man das gar nicht beschreiben… Ich bin noch eineinhalb Tage länger geblieben und das war dann auf einmal extrem ungewohnt. Wenn ich es mir jetzt so überlege, hab ich glaub ich in den letzten Monaten einfach das Alleinsein ein bisschen verlernt, weil ich seit Juli eigentlich nie länger als zwei, drei Stunden alleine war. Vielleicht hab ich beim Durch-Die-Stadt-Laufen auch deswegen öfter als notwendig Leute nach dem Weg gefragt. 😉

DSCF4514

Insgesamt kamen dann am Sonntag aber nochmal so viele neue Eindrücke, dass für große Sentimentalitäten gar nicht viel Platz blieb und auf der Rückfahrt war ich nach 9 Stunden Laufen so müde, dass ich fast durchgeschlafen hab.
Jetzt bin ich wieder „zuhause“ und muss entscheiden, welche Fotos von dieser Woche hier landen…ganz schön schwer! Aber Fotosanschauen ist eigentlich jedes Mal wie eine kleinen Zeitreise und die mach ich wirklich gerne, auch mehrmals! 🙂

Da fehlt doch jemand…?

Eins, zwei, drei… Moment mal, da ist doch eine Person zu wenig auf dem Foto. Stimmt schon, eigentlich sind wir eine mehr, aber Nummer 4 hat leider keinen Urlaub bekommen und musste zuhause bleiben. 😦

Nichtsdestotrotz konnte ich gar nicht schnell genug laufen, als um 18:06 Uhr die Nachricht von Sonja kam, dass sie endlich im Hotel angekommen waren. Mit Grinsen hab ich bis jetzt noch nicht aufgehört 😀 .
Und was vermisst man als Deutscher im Ausland abgesehen von Freunden und Familie am meisten? Brot natürlich! Und ganz besonders Brezen. Haufenweise Brezen.
Davon hatten die beiden viel mehr dabei als ich alleine essen konnte, deswegen haben meine Mitbewohner auch noch eine Geschmacksprobe von der deutschen Backkultur bekommen.

In der nächsten Woche hab ich also den perfekten Grund, mir wieder einen halbwegs normalen Tagesrhythmus anzugewöhnen und nicht erst um 11 aufzustehen. Das wird morgens vielleicht nicht ganz einfach, aber ich freu mich schon total! 🙂

DSCF4339