Sahara mit Kamel – check

Sahara mit Kamel – check

Unsere Liste mit Zielen war für diese Reise ja eher übersichtlich. Einmal in die Wüste fahren stand aber von Anfang an ganz oben und so begann die mündliche Recherche dafür schon im Hostel in Tanger.
Über die geführte Standard-Tour, die von Marrakech aus startet und 3 Tage vorbei an sämtlichen Touristen-Hot-Spots führt, hören wir dann im Laufe der Backpacker-Begegnungen von „Absolut die beste Erfahrung überhaupt“ zu „Komplette Abzocke und Massentourismus“ so viel, dass wir beschließen, einen Do-It-Youself-Trip draus zu machen. So beginnt unser persönliches Wüstenabenteuer mit einem Nachtbus nach Riassini und anschließend finden wir nach langem Hin und Her – und der Hilfe des Busfahrers, der sich über eine Stunde Zeit nimmt, uns beim Suchen zu helfen – ein Sammeltaxi, das uns nach Merzouga, der letzten Stadt am Sand-Rand, bringt. Im Vorfeld haben wir über eine Empfehlung 2 Berber angeschrieben, die Touren in die Sahara anbieten und uns den Standort ihres „Basis-Camps“ in einer vagen Beschreibung geschickt haben. Diese erklären wir dem Busfahrer und der wiederum dem Taxifahrer und schließlich sitzen wir im Auto auf dem Weg durch eine der dürrsten Gegenden, die ich je gesehen hab. Vereinzelt gibt es ein paar Häuser und in der Ferne erkennt man undeutlich ein paar Sanddünen – ein gutes Zeichen, dass das die richtige Richtung ist.

Nach ungefähr einer halben Stunde hält das Taxi auf einmal mitten im gefühlten Nirgendwo an und der Marokkaner vor uns, der zufällig in Amsterdam arbeitet und deswegen Niederländisch spricht, erzählt wild gestikulierend irgendwas, das sich nach „15 Minuten laufen“ anhört und deutet dabei mehrfach auf einen halb erkennbaren Weg, der mitten in die Steinwüste vor uns führt. Aaaaalles klar. Sobald wir unsere Rucksäcke ausgeladen haben und das Auto weg ist, brechen wir in halb ungläubiges Gelächter aus. Das kann ja was werden.

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Unsere Eltern würden sagen: Wie bestellt und nicht abgeholt

Tatsächlich gibt es ein Schild, welches das Hotel ausschreibt, in dessen Nähe wir unsere Guides treffen sollen und weil uns in der prallen Sonne eh nichts anderes übrig bleibt, stapfen wir mal auf gut Glück drauf los. 10 Minuten später sind wir komplett durchgeschwitzt, machen im Schatten einer Lehmmauer eine Dattelpause und befragen die Google-Offline-Map, die sich Sonja noch in Fès runtergeladen hat, nach unserem Ziel und siehe da, es ist tatsächlich nicht mehr weit.
Die Riad von Youssuf und Mohammed ist dann 2 Ecken weiter auch wirklich gut ausgeschildert und nach unserer Ankunft werden wir sehr herzlich mit gekühltem Wasser, Minztee und Erdnüssen begrüßt. Außerdem bekommen wir ein Zimmer, das zwar super heiß aber dafür ruhig und absolut perfekt zum Entspannen ist und die Stunden bis zum Aufbruch in die Dünen verbringen wir größtenteils mit Schlafen und Vor-Uns-Hinvegetieren weil jede Bewegung eine Extraportion an Motivation erfordert.
Die Zeit geht dann auch erstaunlich schnell rum und ehe wir uns versehen, sind wir zusammen mit 2 Italienern (der eine macht am laufenden Band Fotos von sich selber und wir taufen ihn heimlich „Die Selfiequeen“) und einer Slowakin Karavanen-mäßig auf dem Weg in die Sandwüste. Es ist wie im Bilderbuch, hohe orange-rote Dünen, Turbane gegen die Sonne und Dromedare, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen.

Die Nacht verbringen wir mit einer französischen Familie und einem italienischen Pärchen in einem sogenannten Berber-Camp und nach einem extrem umfangreichen Abendessen gibt es noch ein Lagerfeuer mit Trommelkonzert bzw. -kurs.
Ich würde jetzt gerne behaupten, dass wir in der Nacht ganz klischeehaft den schönsten und klarsten Sternenhimmel aller Zeiten sehen konnten aber es ist tatsächlich eher bedeckt und zwischendurch tröpfelt es sogar ein bisschen. Draußen schlafen wollen wir trotzdem und so ganz abseits von sämtlichem Lärm der Zivilisation unter dem mittlerweile fast vollen Mond ist das eine der angenehmsten Nächte seit Langem.
Am nächsten Morgen klettern Sonja und ich noch auf eine Düne neben dem Camp und beobachten die Sonne, die über dem Gebirge an der algerischen Grenze aufgeht und dann geht es auch relativ schnell wieder zurück zum Base-Camp in Merzouga, von wo aus wir unsere Rückreise Richtung Atlantik starten.


Also dafür, dass das Ganze wirklich nur für Touristen gemacht ist, fand ich den Ausflug wirklich genial – und so viel Gastfreundschaft und ehrliche Offenheit wie die der Berber haben wir hier bisher noch kaum erleben dürfen. Damit wäre der Punkt: „einmal die Sahara sehen“ auf der To-Do-Liste fürs Leben ganz offiziell abgehakt 😉

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Marokko für Fortgeschrittene

Marokko für Fortgeschrittene

Also wenn Tager das „Marokko für Anfänger“ war, wie unser Reiseführer die Melange aus spanischer und nordafrikanischer Kultur so passend beschrieben hat, dann ist Fès definitiv die Version für Fortgeschrittene! Wir wissen immer noch nicht genau, was wir von dieser Stadt halten sollen, aber man muss zugeben, dass die Startbedingungen auch einfach nicht die Vorteilhaftesten waren.
Nachdem wir uns am Abend unserer Ankunft zunächst nur in die touristischen Ränder des Medina-Labyrinths gewagt hatten (das übrigens das Größte und Verwinkeltste in ganz Marokko ist), ging es am Montag mit dem wahrscheinlich größten Kulturschock meines bisherigen Lebens weiter. Es war der Tag des Aid al-Agha, also des Opferfestes, und wenn wir dachten, dass das ein Fest im Kreis der Familie hinter verschlossener Tür wäre, dann lagen wir da ja mal absolut daneben!
Auf sämtlichen Straßen lagen Eimer mit Gedärmen und gehäutete Schafe, oft noch frisch geköpft, sodass die engen Wege zum Teil mit Blutlachen bedeckt waren und an jeder Ecke gab es Grillroste auf denen Schafsköpfe gegrillt wurden (das Gehirn gilt nämlich als besondere Spezialität). Mal ganz abgesehen von den messertragenden Männern, die in blutbefleckten Tshirts durch die Gegend spazierten.  Das wäre an sich noch nicht das Problem gewesen aber in Kombination mit der Hitze und vor allem dem Geruch nach totem Tier, der sich in den Gassen der Medina festgesetzt hatte, haben wir es keine Stunde draußen ausgehalten. Da war der Präparier-Kurs in der Uni wohl doch nicht ausreichend, um einen komplett abzuhärten.

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Dafür war unser Hostel wunderschön und der perfekte Ort, um haufenweise Zeit mit Nichtstun zu verbringen – auch was, was beim Backpacken (und wenn man ehrlich ist auch sonst) eigentlich viel zu kurz kommt. Deswegen sind wir auch gleich 3 Nächte da geblieben und die Tage danach waren zwar unglaublich heiß aber auch nochmal wirklich schön, wenn man sich mal mit der Tatsache abgefunden hatte, dass man in der Medina von Fès einfach primär als laufender Geldautomat gesehen wird und einem wirklich jeder entweder den Weg, ein Restaurant oder eines der Produkte aus seinem Laden auf mehr oder weniger aggressiv-aufdringliche Art zeigen will. Am Ende konnten wir aber – alleine – so gut durch das Gewusel der Altstadt navigieren, dass wir sogar anderen Leuten bei der Suche nach Sehenswürdigkeiten helfen konnten. Die sind auch tatsächlich wirklich was Besonderes, ich glaube in Europa findet man die Art von Architektur höchstens noch in Südspanien.


Fazit: Also ich bin glaub ich tatsächlich froh, dass wir die angeblich „noch ursprünglichste Stadt Marokkos“ auf unserer Reise mitgenommen haben, aber mittlerweile freu ich mich auch schon wieder auf ein paar ruhigere Tage in ein paar kleineren Städten, in denen man nicht das Gefühl hat, niemandem in die Augen schauen zu können ohne eine Salve von Verkaufsangeboten abwehren zu müssen 😉 . Unser nächster Stopp lautet dann Wüste, aber dazu nächstes Mal mehr.
Viele liebe und leicht verschwitzte Grüße und bis bald!

Marokko für Anfänger

Marokko für Anfänger

Stimmengewirr, Gedränge und Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen umgeben uns als wir in der Schlange zum Passabstempeln auf der Fähre warten.
„Hey Anne, gleich betreten wir zum ersten Mal Afrika!“ grinst Sonja neben mir. Zugegeben, der Moment ist dann doch nicht gaanz so episch weil wir erstmal durch das recht neutral gehaltene Hafengebäude geschleust werden, aber als wir 20 Minuten später auf der Suche nach unserem Hostel durch die verwinkelten Gassen der Medina laufen, hat man doch das Gefühl, in einer anderen Welt gelandet zu sein.
Danach jagt ein kleines Erlebnis das andere, vom Mittagessen auf einem Markt, das uns von einem Verkäufer da zusammengestellt wurde, über das für uns heillose Chaos am Busbahnhof, als wir versuchen ein Ticket für die Weiterfahrt zu organisieren, bis hin zum sogenannten Family Dinner in unserem Hostel, bei dem einer der Hostelmitarbeiter für alle kocht und wir ganz viele Leute von überall kennenlernen. Außerdem sehen wir bei einem Tagesausflug auch Chefchaouén, die sogenannte blaue Stadt. Wenn man ehrlich ist, ist das zwar eher ein blaues Dorf aber die Häuser mit den verschiedenen Blautönen sind trotzdem wunderschön – und verlaufen tut man sich in den kleinen Straßen auch so.

Und nebenbei erfahren wir, dass am Montag eine für Muslime super wichtige Feier stattfindet, das „Eid ul-Adha“, bei der es vor allem darum geht, ein Schaf zu opfern. Das Ganze geht wohl auf die Geschichte von Abraham zurück, dem von Allah befohlen wurde, seinen eigenen Sohn zu opfern und der diesem Befehl auch direkt gefolgt ist, bis er kurz vor dem entscheidenden Messerstich von ihm aufgehalten wurde mit der Begründung, dass das nur ein Test seiner Loyalität hatte sein sollen. Naja, auf jeden Fall hat er dann stattdessen einen Widder geopfert und bis heute ist das immer noch Tradition, deswegen werden gerade überall scharfe, große Messer verkauft und an jeder Straßenecke sieht man Menschen, die Schafe durch die Gegend fahren, zerren oder manchmal sogar tragen. Und von der Dachterrasse unseres Hostels aus hört man von den umliegenden Häusern Blöken der Tiere. Kultur pur sozusagen.

 


Was anfangs noch irgendwie echt spannend war, ist zwischenzeitlich tatsächlich ein bisschen blöd, weil natürlich jeder zu seiner Familie fährt und deswegen alle öffentlichen Verkehrsmittel in den nächsten drei Tagen komplett überlastet sind, was sich mit Spontaneität bei der Reiseplanung wiederum eher weniger verträgt.
Aber nachdem der frühe Vogel ja bekanntlich den Wurm fängt, schaffen wir es am Sonntag mit ein paar Stunden Sch(l)af weniger, noch ein Busticket nach Fès zu ergattern und sind trotz Aussicht auf fast 8 Stunden Fahrt ziemlich zufrieden! Ein Beweis mehr, dass sich Optimismus und eine Runde – marokkanische – Gelassenheit absolut auszahlen 🙂

 

Buenos días Andalucía

Buenos días Andalucía

Hola zusammen 🙂 Nach mittlerweilse fast 2 Jahren meld ich mich hier auch mal wieder.
Ist noch ein bisschen komisch wieder zu schreiben, aber ich dachte, das Experiment, ob Sonja und ich auch im Urlaub alleine kompatibel sind, sollte definitiv dokumentiert werden.
Bisher verlief auch alles erstaunlich unchaotisch – was wir wahrscheinlich Sonjas Organisationstalent zu verdanken haben, nachdem meine Beteiligung den Juli über eher irgendwo zwischen mäßig und mangelhaft lag. Dafür mach ich jetzt den Übersetzer, was die Kompatibilitätsskala vielleicht etwas nach oben korrigiert. Lediglich unsere Mitfahrgelegenheit nach Algeciras hat uns mehr oder weniger unangekündigt eine Stunde in der andalusischen Vormittagshitze schmoren lassen, aber das ist glaub ich ganz gut, um mal ein bisschen vom deutschen Pünktlichkeitswahn wegzukommen.
Für alle, die noch nichts vom Versuchsablauf wissen: wir haben uns in Malaga getroffen und planen, in den nächsten Tagen mit der Fähre nach Tanger an der Nordküste Marokkos zu fahren (ein Traum von mir seit ich das letzte Mal in Tarifa war und Afrika praktisch zum Greifen nah war – zumindest mit den Augen). Danach müssen wir es irgendiwie bis zum 27. August nach Marrakesh schaffen, alles dazwischen ist offen. Wir haben bei einem morgendlichen ersten Reiseführer-Scan schon festgestellt, dass uns die 20 Tage absolut nicht langweilig werden wird und freuen uns schon total auf die Zeit 🙂
Den Auftakt heute hat Gibraltar gemacht (übrigens bei einer Affenhitze um hier mal einen schlechten Wortwitz zu bringen) und morgen sind wir dann wenn alles gut läuft schon in Marokko. Wer Lust hat ein bisschen mitzureisen, kann hier die nächsten Wochen gerne hin und wieder vorbeischauen, wir werden je nach Internetsituation immer mal wieder ein paar Bilder und Geschichten hochladen.
Bis dahin hasta pronto und liebe Grüße,
Sonja und Anne

Wolkig mit Aussicht auf Travel Blues

Wolkig mit Aussicht auf Travel Blues

Der Wind trägt die Stimme des Straßenmusikers herüber, der auf der anderen Seite vom Canada Place gerade „Only Time“ zum Besten gibt. Passanten in Sommerkleidern strömen vorbei, die Trägheit hängt förmlich in der Luft. Und ich sitz mittendrin und weiß mal wieder nicht, was ich denken soll.
Die Neuseeländer, mit denen ich gestern Vancouver erkundet habe, sind weg, mein Stadtplan besteht mittlerweile aus zwei Teilen und auch von dem Sushirestaurant in der Granville Street hab ich mich in Form von einem Mittagessen verabschiedet. Eigentlich könnte ich also ganz beruhigt gehen.
Dieses leicht wehmütige Gefühl ist trotzdem da und mit ihm das Bedürfnis, noch ein paar Tage länger in Vancouver zu bleiben. Aber wie heißt es so schön; man soll immer dann gehen, wenns am Schönsten ist. Und es ist ja auch nicht so, dass ich mich nicht auf Zuhause freue, ganz im Gegenteil!

Die Wetteraussichten in München sind zwar nicht ganz so schön wie in Canada aber mit den vielen Erinnerungen im Gepäck sollte ich ausreichend für das neue Semester gewappnet sein. Hoffe ich. So oder so, ich wollte mich an dieser Stelle nochmal bei euch bedanken. Danke, dass ihr mich hier so ein bisschen auf meiner Reise durch Kanada begleitet und damit irgendwie auch zum Weiterbestehen dieses Blogs beitragen habt 🙂

Ich hoffe, wir sehen uns alle ganz bald wieder – und dann auch in echt!

Liebe Grüße,
Eure Anne

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Das magische Baumhaus

Das magische Baumhaus

Für alle, die eine der coolsten Buchreihen meiner Kindheit nicht kennen – es geht um 2 Kinder (eines davon heißt witzigerweise sogar Anne), die mit einem Baumhaus durch die Zeit reisen und dabei haufenweise Abenteuer erleben.
Ich fand den Titel hier ziemlich passend, denn die letzten Tage fühlen sich genau wie eines davon an: „Das magische Baumhaus – der Zauber von Orcas Island“. Oder so ähnlich.
Dass ich da gelandet bin, war mal wieder Zufall – wie fast alles auf dieser Reise. Ursprünglich wollte ich nach Jasper nochmal zurück nach Whistler und am Ende noch eine halbe Woche in Vancouver verbringen. Tja, und dann kam die Nachricht von Ryan, der auf einer Website gesehen hatte, dass ich in Vancouver eine Unterkunft suche und damit das Angebot, ihn und seine Freundin auf dieser kleinen Insel an der kanadischen Grenze zu besuchen, von der noch nie jemand gehört hatte. Es war alles ziemlich kompliziert und ich hätte mir bestimmt einen Haufen Arbeit gespart, wenn ich einfach ein Busticket nach Whistler gekauft hätte, aber irgendwie klang das Ganze zu aufregend, um es unversucht zu lassen.
So kam ich schließlich am 27. September nachts um elf an dem winzigen Hafen von Orcas Island an und fragte mich zum ersten Mal, ob das wirklich so eine schlaue Idee gewesen war. Lange Zeit zum Zweifeln blieb mir aber zum Glück nicht, denn keine 5 Minuten später kam ein kleiner Truck hupend um die Ecke und auf dem Weg zu Ryans Haus sahen wir sogar die Nordlichter.
Ab da folgte dann ein Mini-Erlebnis auf das andere; von einem Ausflug zu einem See über Pizzabacken im Steinofen bis zu Whale-Watching-Touren und Abenden im Pool war so ziemlich alles dabei. Insgesamt hatten Anna und Ryan gerade 4 „Couchsurfer“ da und ich glaube, entspanner als da hätte ich meine Reise nicht beenden können! Einfach nur zu sein und nicht das Gefühl zu haben, irgendwas zu verpassen wenn man mal bis 12 im Baumhaus schläft oder den halben Tag in der Hängematte verbringt.
–> Pures Glück erleben – check 🙂